Foto: Florian Kurrasch/Umsplash

Mit Bussen auf dem Land unterwegs zu sein, ist oft noch ziemlich herausfordernd. Laura Flechsig will das ändern.

Ute Möller
09.12.2023
Lesezeit: 3 Min.

Schon kleine Veränderungen zählen

Laura Flechsig erarbeitet für Kommunen neue Mobilitätsideen und glaubt an die Kraft des Wandels in kleinen Schritten

Laura Flechsig arbeitet bei DB Regio Bus und berät Gemeinden, Landkreise und Städte dabei, wie sie den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und umbauen können. Zum Beispiel mit On-Demand-Konzepten oder mit einem optimierten Stadtbusangebot. Analyse und Konzeptionierung regionaler Mobilität ist ihr tägliches Brot. Und das macht Laura Flechsig mit Leidenschaft,weil ihr Veränderung ein Herzensanliegen ist. Damit passt sie wunderbar in den Mutmach-Adventskalender von Flamingo und Dosenbier. Los geht’s.

Mit welcher Idee möchten Sie ganz persönlich die Welt der Mobilität verändern?

Laura Flechsig: Meiner Meinung nach brauchen wir nicht immer die große, neue, innovative Lösung, um den öffentlichen Nahverkehr voranzubringen und zu verbessern. Oft wird bei neuen Konzepten gleich jedes Register gezogen, dabei dürfen wir nicht vergessen, dass auf kommunaler Ebene oft nur begrenzte Kapazitäten für die Umsetzung zur Verfügung stehen.

Ich möchte auf die kleinen Stellschrauben hinweisen, die uns helfen können, den ÖPNV attraktiver zu machen: gesicherte Umstiege, weniger Leerfahrten, sichere Haltestellen, barrierefreie Fahrzeuge.
Meine Arbeit hat mir auch gezeigt, dass es nicht immer die Daten sind, die uns die Lücken aufzeigen, sondern vor allem die Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zeigen uns, welche Bedürfnisse erfüllt werden müssen.

Laura Flechsig will auch ihren Freunden zeigen: Öffenlicher Nahverkehr auf dem Land kann funktionieren. Foto: oh

Was ist Ihre Motivation?


Zwei persönliche Ziele habe ich vor Augen: Meine Eltern und Großeltern wohnen in sehr ländlichen Regionen und sind vom Auto absolut abhängig. Ziel muss es sein, dass jedem und jeder überall die Möglichkeit gegeben wird, auch ohne Auto wichtige Anlaufpunkte zu erreichen. Sei es die Einkaufsmöglichkeit, das Kino oder die medizinische Einrichtung.

Gut ohne eigenes Auto weiterkommen


Zum anderen sind viele meiner Freunde vom ÖPNV nicht überzeugt und lassen sich außerhalb der Städte nur schwer überreden das Auto stehen zu lassen. Ich selbst komme ursprünglich auch aus einer sehr ländlich geprägten Region und war bis zum ersten eigenen Auto selbst abhängig von Elterntaxis. Mein Ziel ist es, meinen Freunden beweisen zu können, dass es klappt, dass es gut sein kann.

Ich möchte mit gutem Gewissen sagen können, dass es keine Umstände macht, den ÖPNV zu nutzen, Umstiege verlässlich sind und Fahrzeiten eingehalten werden. Und ich selbst möchte weiterhin kein Auto besitzen müssen, auch wenn ich einmal wieder aufs Land rausziehe.

Welche Unterstützung aus Gesellschaft und Politik wünschen Sie sich?

Ich würde mir wünschen, dass unsere Politik erkennt, welche Schwachstellen – und davon gibt es einige – wir im Moment haben und dass sie uns mit voller Überzeugung dabei unterstützt, diese Schwachstellen zu beseitigen. Sei es durch Förderprogramme oder politische Entscheidungen, die uns bei der Mobilitätswende helfen.

Über Zugverspätungen wird geschimpft und der Stau ignoriert

Wir müssen das Vertrauen der Menschen in den ÖPNV stärken und das gelingt nur, wenn Finanzierungen gesichert werden und der Ausbau des ÖPNVs klar vorangetrieben wird.


Gleichzeitig würde ich mir auch wünschen, dass die intrinsische Motivation der Gesellschaft steigt, den ÖPNV zu nutzen. Es muss auch erkannt werden, was die Vorteile sind und auch, welche Nachteile ein Auto mit sich bringt. Meist wird nur über die Verspätung des Zuges geschimpft, der Stau auf der Straße wird schnell übersehen.